Gepostet von M. Lorenz am Aug 18, 2010 in Allgemein, Stories | 1 Kommentar
Ich will hier niemanden mit einem Reisebericht langweilen, dennoch möchte ich von meiner Radtour von Prag nach Dresden berichten.
Angereist sind wir mit dem Zug, was bis auf eine Ausnahme auch problemlos von Statten ging.
Einzig die Dame vom “Alex”, ein privater Betreiber, schien ihren Job nicht wirklich gerne zu machen. Ein kurzfristiger Stau unserer Räder im Einstiegsbereich der veralteten Zuggarnitur von Schwandorf nach Prag wurde mit einem frechen “Pech gehabt, dann können Sie nicht mitfahren!” quittiert.
Nachdem wir (die zahlenden Reisenden), die Situation kurzerhand selbst klären konnten, setze sich der Zug auch schon in Bewegung. Das war es aber auch schon mit sitzen, denn der Zug war heillos überfüllt. Nun gut, nachdem die plärrende Zugbegleiterin alle Reisenden in entmündigender Art und Weise zusammen gepfercht hatte, fanden auch wir unseren Sitzplatz und setzten die Reise in unserem unklimatisierten und mit nicht zu öffnenden Fenstern ausgestatteten Zug fort.
Irgendwann war dann auch Prag erreicht… Im Hotel, nahe der Altstadt gelegen, bezogen wir unser Zimmer und konnten die Räder sicher im Hinterhof einstellen. Ein wirklich leckeres Abendessen mit tschechischem Bier richtete uns wieder auf und so ließen wir den Abend auch ausklingen.
Einen Tag hatten wir uns für die tschechische Hauptstadt Zeit genommen, ausreichend für eine typische Touristenrunde:
So, nun ging es also los!
Schnell konnten wir die Altstadt hinter uns lassen und erreichten auf dem linken Moldauufer den Stromovka – Park.
Nach einem steilen Aufstieg konnten wir einen letzten Blick auf Prag erhaschen, ehe wir uns weiter zum Stadtrand, genauer gesagt “Troja”, bewegten.
Endlich Ruhe, Prag ist eine Radfahrerunfreundliche Stadt!
Auf geteerten Wegen verließen wir die Stadt und radelten flugs die ersten Schleifen der Moldau entlang. Das Wetter spielt wunderbar mit, Sonnenschein und trotzdem nicht zu heiß, was will man mehr?
Doch schon bald sollten wir von der Realität tschechischer Radwege eingeholt werden.
Etwa 7 Kilometer nach der Stadtgrenze endete der Radweg und ging in eine, na ja, sagen wir mal “Uferstraße für militärische Kettenfahrzeuge” über. Kurzum, der Weg war eine Katastrophe.
Nach einigen durchgeschüttelten Kilometern, besserten sich die Untergrundbedingungen wieder und wir setzen die Fahrt beschwingt fort. Der Radführer warnt wenig später erneut vor schlechten Straßenverhältnissen, doch wir dachten wir hätten das gröbste schon hinter uns.
Besten Mutes einigen wir uns darauf, das etwa 2km lange Stück der Originalroute durchzufahren, anstatt einen Umweg auf einer Alternativroute zu wählen.
Wie sich herausstellen sollte ein fataler Fehler!
Zunächst hat es wirklich Spaß gemacht dem schmalen Pfad zu folgen, es wäre auch alles halb so schlimm gewesen, hätten wir nicht die Abzweigung in den Ort verpasst. Statt dessen, immer schnurstracks gerade aus hinein ins Verderben.
Später konnten wir erkennen, dass wir eine noch im Ausbau befindliche Strecke wählten!
Rechts begleitete uns viele Kilometer nur ein steiler Hang, links das abrupt abfallende Ufer der Moldau. Mit Packtaschen auf beiden Seiten ist das schon ein mulmiges Gefühl.
Nichts desto trotz haben wir auch diesen Abschnitt gut überstanden und wurden in der Nähe von Libcice von der Hölle wieder ausgespuckt. Danach lagen allerdings Nerven beim einen oder anderen mehr oder weniger blank.
Nun lief es aber… auf einsamen Ortsverbindungstrassen und reichlich Rückenwind erreichten wir am frühen Abend Mélník. Das war auch das erste Etappenziel das wir uns gesteckt hatten. Nach einem letzten knackigen Aufstieg in den Ortskern zog uns auch schon das Schild einer ***-Pension an, die mussten wir uns einfach gönnen!
Nach einem leckeren Abendessen mit böhmischer Küche und einem kurzen Spaziergang durch Mélníks Altstadt fielen wir ins Bett.
Der Tag begann vielversprechend, ein leckeres Frühstück weckte schnell alle Geister und so sprachen wir noch kurz die Rote für den Tag durch.
Bis Ústí nad Labem, dem ehemaligen Aussig wollten wir kommen.
Also, nichts wie drauf auf die Drahtesel und los ging es. Nun gut, es war nicht der sonnenverwöhnteste Tag aber so wirklich nach Regen hat es auch nicht ausgesehen. “Think positiv” lautete die Parole und so rollten wir wieder ins Elbetal Richtung Roudnice.
Die Wege waren erstaunlich gut und so kamen wir gut voran. Roudnice ließen wir links liegen und machten uns so gleich weiter in Richtung Litomerice, dem ehemaligen Leitmeritz und somit auch zum Tor ins Böhmische Mittelgebirge.
Es hatte lange den Anschein als könnten wir den dicken Regenwolken ein Schnippchen schlagen und wie ein Haken schlagender Hase durch ständige Richtungswechsel dem drohenden Unheil entgehen. Leider hat uns kurz vor Litomerice das Glück dann doch verlassen.
An einer doch recht stark befahrenenStraße entlang holten uns die Wolken ein und wir mussten uns wetterfest machen. Glücklicherweise war Litomerice nach wenigen Minuten erreicht und wir konnten uns in einer Bogenpassage unterstellen.
Aber Frage nicht, wir wurden förmlich in die Stadt gespült, riesige Pfützen mussten durchfahren werden, was anfänglich noch etwas Unbehagen auslöste sollte bald zum Riesenspass werden!
Fortan blieben die Schleusen des Himmels geöffnet und die Radwege waren unter den riesigen Pfützen nur noch zu erahnen. Aber wie schon erwähnt, irgendwann hat man einfach Spass daran und so konnten uns zu guter Letzt auch die kleinen Bäche die unsren Weg kreuzten nur noch ein müdes Lächeln abringen.
Kurz bevor wir völlig durchnässt und auch erschöpft an der Ortsgrenze von Ústí ankamen, hatte auch Petrus ein nachsehen mit uns und der Regen ließ nach.
Tja was soll ich sagen, um Ústí nad Labem zu beschreiben möchte ich eine meiner Reisenotizen zitieren, in der der ganze Frust noch richtig zu sprüren ist:
Nach einer abenteuerlichen Fahrt von Prag entlang der Moldau nach Melnik am gestrigen Tage, haben wir heute den Flußlauf der Elbe im Regen begleitet. Nun sind wir wohlbehalten an unserem Tagesziel angekommen. Das beschauliche Ústí nad Labem würde ich charmant mit überteuertes Drecksloch beschreiben…!!! Unser Hotel “Inter-Hotel Bohemia”, eine andere Herberge war nicht aufzufinden, ist original Ostblock-Style, hier hat sich in den letzten 40 Jahren nix getan! Rauchen ist selbstverständlich auf allen 10 Etagen erlaubt! Bier (Kozel) und Musik ist gut, trinken uns gerade die Stadt und das Hotel schön! P.S.: Immerhin WLAN ist an jeder dieser unglaublich hässlichen Ecken “for free” Viele Grüße aus Europa!